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Auswanderer

Auswandern will er, der kleine Mann. Und zwar nach Deutschland. Hier sprechen alle Englisch und das faende er nicht gut. Dass wir in Deutschland kein Haus haetten, stoere ihn nicht. Auch dass der Herr Papa drueben gar keine Arbeit haette, findet er nicht so schlimm ("Das macht nichts, Mama.").

Ich wusste ja, dass es ihn stoert, dass er sich in Englisch (noch) nicht so gut ausdruecken kann wie im Deutschen. Aber dass es ihn so sehr belastet, hatte ich nicht gedacht. Es ist bestimmt nicht leicht, Kind von Auswanderern zu sein. Englisch wird zu Hause nicht gesprochen. Die Kultur ist eine andere. Wir wissen vieles nicht, was andere Eltern so wissen. Wir kennen ja kaum das amerikanische Schulsystem. (Und das, was ich gesehen habe, laesst mich immer fragen, warum Deutschland angeblich immer so schlecht bei Vergleichen abschneidet. Besonders toll finde ich die Schulen hier naemlich nicht. Aber anders als in Deutschland, werden die Kinder hier schon seit der Vorschule auf diese SAT-Tests - aehnlich wie PISA in Europa - gedrillt. Sie haben zwar keine Ahnung, wo England auf der Weltkarte liegt, haben kein Gefuehl oder Wissen um Jahreszeiten, aber sie koennen die MC-Test richtig beantworten. Und das soll jetzt die bessere Bildung sein?!) Aber wo war ich?

Ach ja, auswandern will der kleine Mann. Ich hoffe, dass ein paar Wochen Kindergarten sein Englisch soweit aufbessern, dass er sich auch in dieser Sprache wohlfuehlt. Aber zwei Mal Kindergarten die Woche ist halt nicht viel, um Englisch zu lernen. Und bei Mutter-Kind-Gruppen muss er kein Englisch sprechen. Da kann er sich an mich halten.
Bleibt die Sunday-School in der Kirche. Jeden Sonntag eine Stunde. Wenig, aber besser als nichts.

Es ist bestimmt nicht einfach fuer jemanden, der im Deutschen so sprachgewand ist.

Ich frage mich ehrlich, ob wir fuer den kleinen Mann zurueckgehen wuerden. Also dann, wenn er hier total ungluecklich waere. Sicher, wenn er hier leiden wuerde, gingen wir zurueck. Aber wir wollen eigentlich nicht. Der lange Mann ist hier an der Uni Professor. Etwas, was man in Deutschland selten schafft, wenn man 33 ist. Ich fuehle mich auf dieser Seite des Ozeans eh wohler (und auch sicherer).
Natuerlich weiss ich, dass der kleine Mann, sobald wir eine Zeit in Deutschland waeren, kraeftiges Heimweh nach seinem Zuhause bekaeme. Sein Ausspruch laesst mich auch nicht die Koffer oder gar die Umzugskartons packen (obwohl einige sind ja noch so jungfraeulich wie vor fuenf Jahren. Wie praktisch.). Aber es hat mir mal wieder bewusst gemacht, wieviel auch ein Dreijaehriger vom Leben mitbekommt. Irgendwie muessen wir sein Englisch besser foerdern, damit er sich auch wirklich integriert fuehlt. Schliesslich wollen wir ihn in der Schule ja nicht fuer einen ESL-Kurs anmelden!
18.9.06 14:35
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


vered / Website (18.9.06 15:33)
Hat der kleine Mann Gelegenheit, mit Gleichaltrigen zu spielen? Dann wird er die fremde Sprache aufpicken, ohne es zu merken. Verwandte von mir lebten eine Zeit lang in Ecuador, als ihr kleiner Mann auch etwa drei-vier Jahre alt war. Seine Mutter liess ihn frei mit Nachbarskindern spielen.Nach einer kurzen Zeit, da er beide Sprachen toll mixte, lernte er sie saeuberlich zu unterscheiden und "switchte" ohne Probleme von einer zur anderen.


Ute / Website (18.9.06 20:06)
Der kleine Mann wird sich sehr viel schneller an das Englisch gewoehnen, als Du denkst. Diese anfaenglichen Schwierigkeiten, jetzt wo er zur preschool geht, sind ganz normal. Aber es wird nicht lange dauern, und er spricht die Sprache einwandfrei. So habe ich das bist jetzt noch bei allen Kindern aus dem Bekanntenkreis erlebt, die von Deutschland nach Amerika gezogen sind.

Was das Schulsystem angeht, kann ich nur eins sagen: Ich weiss, warum wir homeschooler sind.


Seepferdchen / Website (19.9.06 08:59)
Die Anfänge sind sicher nicht einfach, aber ich denke mal, daß das Sprachproblem bald keins mehr sein wird. Kinder sind da doch flexibler als wir.
Dir liebe Grüße von
Gudrun


Patish (28.9.06 20:59)
Wir sind seit einen halben Jahr in Israel und unsere Kinder ( 2 und 4 Jahre) gehen hier in den Kindergarten. Sie können besser Hebräisch als ich.
Das regelmäßige Singen von hebräischen Liedern hat sich gut auf ihre Sprachentwicklung ausgewirkt.
Wenn der kleine Mann unter Kinder ist wird sich das schnell ergeben und warum nicht alltägliche Dinge zu Hause auch mal englisch bezeichnen.

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