Heute morgen las ich bei
Bini von den Problemen, die Auswanderer so bewaeltigen muessen. Und auch davon, dass Menschen haeufig unueberlegt einfach alles hinwerfen und die Koffer packen. Ich hab dann zurueckgeschrieben, dass ich doch bei sehr vielen erlebe, dass Auswandern zur Erfolgsstory wird (immerhin lebe ich ja als Auswanderer in einem Einwandererland.).
Aber natuerlich hat Bini Recht, wenn sie sagt, dass Menschen auch am Auswandern scheitern koennen. Denn auch wir haben erlebt, wie manche scheitern. Vorallem dann, wenn man Land, Leute und Kultur nicht kennt.
Auswandern ist wie eine Liebesbeziehung, aus der dann irgendwann eine Ehe wird. Erst ist alles toll, wunderschoen und viel besser als drueben. Doch dann beginnt man die Fehler des Landes und der Leute zu sehen und man ist enttaeuscht. Fuehlt sich fast betrogen. Auch das Land seiner Wahl, die neue Heimat ist nicht perfekt. Und nun beginnt die eigentliche Ehearbeit. Kann man einen gemeinsamen Nenner mit der neuen Heimat finden, oder bleibt man mit dem Alten verhaftet? Beides ist OK, man muss nur ehrlich mit sich sein.
Ich glaube, fast alle Auswanderer stehen irgendwann mal vor der Frage "War das alles richtig?". Wir haben das Glueck, diese Frage mit "Ja" beantworten zu koennen. Und trotzdem fehlt uns einiges: es fehlt die Familie. Die Freunde fehlen nach all den Jahren nicht mehr so sehr. Man hat neue Freunde gefunden und festgestellt, dass man sich mit den alten Freunden auseinandergelebt hat. Man vermisst die verruecktesten Lebensmittel (bei mir zurzeit Miracoli. Sowas Bloedes!).
Aber immer, wenn ich wieder nach Deutshland fliege, merke ich, dass trotz all des Vermissten und trotz all des Schoenen ich nur noch ein Besucher in Deutschland bin. Ich bin hier zu Hause.
Einige unserer Freunde sind nirgends zu Haus. Nicht hier und auch nicht drueben. Den einen Ort nicht wirklich verlassen, am anderen nie wirklich angekommen. Dann wird es schwer. Denn natuerlich ist die neue Heimat anders als die alte. Nicht nur der Sprache wegen.
Bini kommentierte meinen Eintrag so (Myblog mag mal wieder keine langen Kommentare, deshalb schickte sie eine eMail.):
lächel* bei meinem Eintrag ging es ja auch nicht um Menschen, die sich vorbereitet haben mit ihrer Auswanderung, sprich immerhin schon ein bischen die Sprache zu beherrschen um sich verständlich zu machen. Vielmehr ging es hier um eine Geschichte ala: ach ich krieg hier nichts gebacken, fühl mich überfordert und da ich mich da schon immer wohlgefühlt hab in meinen Urlauben dort, ziehe ich da mal eben hin. Kein Job, keine Wohnung, sehr wenig Geld und vorallem NULL Sprachkenntnisse ... dazu mit im Gepäck 4 Kinder von denen natürlich auch keines die Sprache ansatzweise sprechen kann ... gepackt war auch nicht wirklich etwas als dann der Umzugssprinter angerollt kam und überhaupt stellte sich denen erst da die Frage: was nehmen wir mit ... die Frau hatte null Plan, wie es dort in dem Ort weitergehen sollte, ob sie dort überhaupt einen Job findet, wirft ihre Kinder in ein fremdes Land, die innerhalb von 5 Wochen 2 - ich wiederhole ZWEI - für sie komplette Fremdsprachen lernen müss
en, um überhaupt in der Schule mitkommen zu können und haben ein Budget zur Überbrückung von gerade mal 5000 Euro zur Verfügung ... jaha... bei so etwas streuben sich mir die Haare angesichts solchen Aktionen: ach machen wir mal eben ... zurückgehen können wir ja immer noch ... suuuper Rückhaltsgedanken ... wenn wir auswandern würden, jetzt ernsthaft, dann können wir wenigstens ein bischen viel die Landessprache, um uns dort verständigen zu können und wenn wir Jobmässig vom Einkommen abhängig wären, würden wir uns den zu allererst organisieren. Und vorallem würden wir nicht auswanderrn wollen, weil wir hier nichts gebacken bekommen und somit flüchten sonderrn weil wir uns unser Leben eben anders vorstellen und lebrn wollen und es uns vorallem auch gut überlegt haben, das mit dem Auswandern ... und das denke ich, haben sich die meisten nicht. Die packen nur Kind und Kegel ein und ziehen los ... fertig. Ok, bei einigen klappt das tatsächlich aber viele scheitern logischweise a
n ihrer Unorganisiertheit und daran, das sie sich überhaupt nicht über die Folgen im klaren waren ... Urlaub ist eben doch etwas anderes als 365 Tage im Jahr

Sollte ich Dir mit meinem Eintrag auf die Füsse getreten sein, so entschuldige ich mich dafür, denn DU bzw. ihr seid damit absolut nicht gemeint (und auch nicht die mischpoke oder aber andere bei denen ich mitlese

...
Die Sendungen begleiten Auswanderwillige bei den Vorbereitungen und beim eigetnlichen Umzug bzw. Ankommen im jeweiligen neuen Heimatland und zeigen die Schwierigkeiten, die sich dort dann jeweils bei denen so auftürmen. Einige packen das alles ganz gut, andere viele widerum scheitern daran. Und das lag letztendlich dann auch an deren Organisation bei der Auswanderung *lächel*
Da wir in einer Universitaetsstadt leben, sehen und kennen wir natuerlich immer nur die Menschen, die kommen, weil der
Baer ihnen eine Stelle angeboten hat. Einfach ins Blaue hinein auswandern passiert hier selten. Warum auch, Baerenstadt ist nicht New York City, Miami oder Frisco.
Auswandern ist nicht leicht, aber ich bereue es nicht. Auch nicht, wenn ich daran zurueckdenke, wie schwer es der kleine Mann am Anfang im Kindergarten hatte, als er nur so wenig Englisch sprach. Mittlerweile ist er (fast) perfekt zweisprachig und die meisten merken nicht mal, dass wir zu Hause kein Englisch sprechen.
In einem gebe ich Bini jedoch uneingeschraenkt Recht, Auswandern ist keine Loesung fuer Probleme. Alle alten Probleme reisen mit einem mit und werden in einer neuen fremden Umgebung nur um so staerker empfunden. Denn Auswandern ist kein Urlaub, sondern Alltag. Und das jeden Tag...